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20.02.2013
Keine Zeit und kein Geld für die Menschenwürde

Personal-und Pflegesituation in den deutschen Altenpflegeheimen

Sehr geehrter Herr/Frau Ministerpräsident/in,
Sehr geehrter Herr/Frau.....,

über die Menschenwürde in den deutschen Altenpflegeheimen ist schon sehr viel geschrieben und diskutiert worden.
Seit 30 Jahren beschäftige ich mich ganz intensiv mit diesem Thema.
Deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen, Ihnen einige Fakten mitzuteilen, wie Pflege in den Altenpflegeheimen im Alltag aussieht.

Im Jahr 2006 wurde im Rahmen der Föderalismusreform die Gesetzgebungskompetenz für das Heimrecht vom Bund auf die Länder übertragen.
Seitdem haben alle Länder ihre unterschiedlich formulierten Gesetze, ansonsten hat sich kaum etwas in der Pflege geändert.
In allen Bundesländern ist der Stellenschlüssel nur geringfügig abweichend voneinander.
Somit ist auch die Pflegesituation der schwerstpflegebedürftigen alten Menschen in allen Bundesländern annähernd gleich.
Der überalterte und viel zu knapp bemessene Personalschlüssel ist völlig unzureichend, denn es kommen fast nur noch schwerstpflegebedürftige und mehrfach erkrankte alte Menschen ins Pflegeheim.
Auch die Demenzerkrankung hat bei diesen alten Menschen immer mehr zugenommen. Altersdepressionen sind nicht selten.

Die Dokumentationsarbeit ist in einem erheblichen Maß angestiegen.
Ich möchte Ihnen anhand eines Auszugs einer nicht veröffentlichten Personalbedarfsanalyse deutlich machen, wie viel Zeit den Pflegekräften für die Grundpflege an schwerstpflegebedürftigen alten Menschen bleibt.

Ferner möchte ich auf das Plaisir-Gutachten  aufmerksam machen.
Dieses Gutachten wurde 1999 von dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Auftrag gegeben. Zwischen Dezember 1999 und Herbst 2002 wurden insgesamt 10.239 Bewohner verschiedener Projekte (z.B. AWO Hamburg, Bremen, Kreise Segeberg etc.) nach dem Verfahren Plaisir evaluiert. Die Erprobung von Plaisir in Deutschland wurde im Jahr 2004 eingestellt.
Dieses Gutachten hat ca 1 Mio. € gekostet.
Das Endergebnis dieses Gutachtens besagt, dass 40% mehr an Personal benötigt wird. Mit diesem Gutachten haben sich viele Beiräte, Fachausschüsse sowie Fachtagungen beschäftigt.

  • Warum wurde dieses Gutachten der Öffentlichkeit nicht vorgestellt?
  • Warum wurde das Gutachten nicht angewandt?
  • Wer hat die Umsetzung des Gutachtens erfolgreich verhindert?
  • Wo ist dieses Gutachten geblieben?

Denn es gab einen breiten Konsens zwischen den Beiräten, Fachverbänden, Pflegewissenschaftlern und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Band 225 KDA)
Zwei große Fachtagungen haben stattgefunden und sich mit dem Gutachten beschäftigt (Band 154 und 159 KDA).

Auch die  saarländischen Pflegegesellschaft hat ein Gutachten erstellen lassen. Auch in diesem Gutachten wird deutlich, wie wenig Zeit das Pflegepersonal hat, um einen schwerstpflegebedürftigen alten Menschen zu versorgen. Auch hier wird verdeutlicht, dass dringend mehr Pflegepersonal erforderlich ist.

Ich bitte Sie eindringlich, dieses drängende, längst überfällige Thema zu Ihrem Arbeitsschwerpunkt zu machen. Die Zeit drängt, denn die demographische Entwicklung lässt sich nicht aufhalten.
Wir brauchen dringend mehr Pflegepersonal in den Altenpflegeheimen!
Die Entlohnung der Pflegekräfte ist viel zu gering und muss dringend erhöht werden!
Das Pflegepersonal braucht mehr Anerkennung und Wertschätzung!
Die Aufsichten für die Pflegeheime (MDK und Heimaufsicht) sind eine Behörde in der Behörde (Pflegeversicherung und Sozialhilfeträger) und somit abhängig.
Deshalb brauchen wir dringend unabhängige Kontrollen!
Weiterhin ist eine steuerfinanzierte Pflegeversicherung erforderlich!

Für weitere Informationen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Ich erwarte von Ihnen eine Rückmeldung.
Ich bitte Sie, dieses Schreiben an die entsprechenden Fachausschüsse weiter zu geben.

Mit freundlichen Grüßen
Werner Kollmitz

Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun. (Jean Moliere)

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